News Games Allgemein Kommentar: Mikrotransaktionen in Battlefront 2 - Faires Modell oder Pay to Win?

Kommentar: Mikrotransaktionen in Battlefront 2 - Faires Modell oder Pay to Win?

Kommentar: Mikrotransaktionen in Battlefront 2 - Faires Modell oder Pay to Win?
von TASS 05.07.2017 0 Kommentare

Seit einigen Tagen gibt es nun also erste Details dazu, wie Mikrotransaktionen in Star Wars Battlefront 2 funktionieren sollen. Vom Youtube-Kanal BattlefrontUpdates wird uns das System durchweg positiv verkauft, eine kritsche Betrachtung bleibt komplett auf der Strecke. Das mag nicht jeder Spieler so sehen und eine kritischere Betrachtung wird notwendig sein. Deshalb gibt auch von uns einen kritischen Kommentar.

Voll-Preis F2P im Star Wars Universum?

Das System erinnert stark an im Free-to-Play-Sektor übliche Lösungen. Belohnungen für beendete Runden, Login-Rewards, in Zukunft vielleicht tägliche Missionen oder ähnliches - vielen Spielern werden hier sofort World of Tanks, Warthunder und Konsorten präsent sein. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen, es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied: Es handelt sich dabei um F2P-Titel, Geld erwirtschaften die Entwickler hier ausschließlich mit solchen Transaktionen. Davon kann bei Battlefront 2 wiederum keine Rede sein, immer hin handelt es sich um einen Vollpreis-Artikel, ein Kaufpreis von etwa 70 € ist zu erwarten.

Da war doch was mit den DLCs

Gerne wird an dieser Stelle das Argument bemüht, dass es im Gegenzug keine kostenpflichtigen DLCs geben wird. Ja, Electronic Arts hatte ein Battlefront 2 ohne kostenpflichtige Erweiterungen versprochen. Etwas Anderes blieb EA nach der heftigen Kritik am Vorgänger und dem mäßigen Erfolg auch nicht übrig, sofern es die Marke am Leben erhalten wollte. An die Stelle dieser zusätzlichen - und in der Theorie nicht unerheblichen - Einnahmen treten jetzt die Gewinne durch Echtgeld-Käufe in einem Mikrotransaktionssystem. Ein Grund warum die Erweiterungen so unbeliebt waren, war die Zersplitterung der Server, dieses Problem ist somit aus der Welt. Es sollte aber auch nicht vergessen werden, dass Battlefront unter anderem auch in der Kritik stand, weil der Umfang des Spiels zum Veröffentlichungszeitpunkt weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Richtig ist also, dass EA auf die Einnahmen durch DLCs verzichtet. Das als Großzügigkeit zu verklären geht mir aber zu weit.

Schönfärberei

Verklärung scheint jedenfalls recht populär zu sein unter den Verfechtern und Freunden des gezeigten Systems. Nicht nur in unserer Berichterstattung zum Thema wurde die Einseitigkeit der Präsentation auf BattlefrontUpdates aufgezeigt, auch andere Medien hatten darauf hingewiesen. Und so sind viele Aussagen im Video mit Vorsicht zu genießen. Die Kisten sind also der Hauptwege mein "Gameplay" weiterzuentwickeln? Ich mag an dieser Stelle etwas altmodisch sein, aber: Mein "Gameplay" entwickele ich weiter, indem ich besser werde, neue Dinge ausprobiere und mit anderen Spielern zusammenspiele und -arbeite. Auch in einem Arcade-lastigeren Shooter wie Battlefront. Und auch der oft angeführte Casual-Spieler, zuhause auf der Couch, sollte sich hier wiederfinden. Richtig ist auch hier, Unlock-Systeme, wie sie DICE zum Beispiel schon seit Battlefield 2 einsetzt, können die Langzeitmotivation von Spielern erhöhen, auch wenn das Leveln nicht jedermanns Sache ist. Angesprochen werden hier natürlich unser Sammeltrieb und das Belohnungszentrum des Gehirns. Dafür braucht es aber keine Echtgeldtransaktionen, diese dienen immer dem Generieren von Einnahmen. Das Mikrotransaktionssystem ist somit an erster Stelle immer ein System zur Einnahmengenerierung und kein Gameplay-System.

Wird Electronic Arts sein Versprechen halten können?

Entscheidend für die zukünftige Bewertung dieser Maßnahme wird die Akzeptanz unter den Spielern sein. Hier wird viel davon abhängen, ob EA sein Versprechen halten kann, dass zahlende Spieler keinen Vorteil erlangen - sondern nur Zeit sparen. Daran habe ich allerdings erhebliche Zweifel. Denn die sogenannten Star Cards bieten direkte Vorteile im Spiel: Schadensboni, Schadensreduzierung und so weiter. Zwar können sie auch rein durchs Spielen freigeschaltet werden. Tritt aber die Situation ein, dass einige Spieler entscheidende Unlocks haben - andere aber (noch) nicht, dann ist das nicht nur ein Vorteil, auch das Gameplay und die Balance leiden unter Umständen darunter. Denkbar ist das zum Beispiel zum Release, wenn verschiedene Deluxe-Versionen sicher bereits erste Sternenkarten, Kisten oder Credits bieten werden. Diese Spieler starten dann mit einem Vorteil. Abzuwarten bleibt auch, wie leicht die Sternenkarten zu erspielen sein werden. Wird es normalen Spielern hier zu schwergemacht, haben zahlende Spieler wieder einen klaren Vorteil. Außerdem wird EA das System vermutlich erweitern müssen, um weiterhin ein hohes Niveau an Einnahmen zu generieren. Insbesondere Gelegenheitsspieler könnten von einem solchen Rückstand stark getroffen werden.

Abwarten und kritisch bleiben

Es bleibt abzuwarten, wie dieses System endgültig im Spiel implementiert sein wird. Bis dahin bleibe ich aber skeptisch. Wer schon einmal F2P-Titel gespielt hat, weiß welche Probleme deren Entwickler mit dem gängigen Versprechen haben, dass zahlende Kunden keinen Vorteil bekommen. Besonders kritische Stimmen würden sagen: Wie weit es mit diesem Versprechen her ist. In anderen Titeln haben Dice und Electronic Arts gezeigt wie Unlocks die Balance nicht, oder weniger, beinflussen können. Auch stellt sich die Frage: Hätten nicht gerade im Star Wars-Universum, mit seinen treuen Fans, kosmetische und optische Unlocks gereicht? Counterstrike bietet hierfür ein funktionierendes Beispiel, aber auch für eine etwas zurückhaltendere Preisgestaltung im Verbund mit Mikrotransaktionen. So oder so bleibt ein unangenehmer Beigeschmack: Beim Vorgänger wurde EA für den geringen Umfang kritisiert - und dass die Spieler durch DLCs dann auch noch extra für vermisste Features zahlen sollten. Diese Zusatzeinnahmen sollen EA nun erhalten bleiben, sie werden einfach nur in Zuckerwatte gepackt.

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